If the present is a flag, the past is a heater fan

If the present is a flag, the past is a heater fan

2 Flachbildschirme mit Lautsprecher, 1 Heissluftgebläse, Dekorfurnier, Dachlatten, Steckeradapter Schweiz/Polen, div. Farben
Produziert für die und in der Ausstellung ‚Backflash‘, f.a.i.t., Krakau

 

[…] Am stärksten erfahrbar ist diese überraschende Polyphonie der Zeiten in Stefan Meiers Arbeit If the present is a flag, the past is a heater fan (Wenn die Gegenwart eine Flagge ist, ist die Vergangenheit ein Heissluftgebläse). Ein enger Raum, auf dessen Wänden halbhoch eine Schutzschicht aus Ölfarbe aufgetragen wurde, was an volksrepublikanische Zeiten erinnert. Gleich nach dem Betreten des Raums weht dem Besucher ein Luftzug ins Gesicht, der von einem alten Heizgerät produziert wird, das (dem Titel nach zu schließen) offensichtlich die Vergangenheit darstellt, da es die Fahnen bewegt, was auf den Filmen, die auf zwei an den Seitenwänden aufgestellten ultramodernen Bildschirmen (wie fremd sehen sie in dieser Umgebung aus, wie Außerirdische von einem anderen Planeten, aber für alle?) zu sehen sind, festgehalten wird. Die im Wind flatternden Fahnen besitzen eine magische Kraft, sie fesseln die Aufmerksamkeit, der Betrachter vergisst die Wunder der Technik, dank derer er das Bild sieht. Das Bild existiert schon nicht mehr, es gibt nur den herrlichen Tanz der Fahnenspitze, die in der Luft unglaubliche Arabesken beschreibt, es gibt sogar den Wind und dieses wunderbare Klirren der Leinen. Die Folge ist, dass wir uns nicht mehr sicher sind, was im Hier und Heute geschieht und was einst geschehen ist. Eine perfekte Illusion von Wirklichkeit, die wir unbemerkt betreten. Merkwürdig, dass wir das Wasser nicht riechen können. Und dazu kleine Realien, die völlig unterschiedliche Assoziationen auslösen, je nachdem ob man die Vergangenheit auf dieser Seite oder jenseits des Eisernen Vorhangs verbracht hat. Denn nichts geschieht ohne Grund. Schliesslich bewegen wir uns nicht in steriler Leere, sondern in dichter Materie, die sich auf uns legt und mit uns in andere Zeitzonen gelangt. Wir schauen durch sie hindurch, weil die Luft ist nicht durchsichtig (obwohl manch einer das immer noch glaubt). Die Vergangenheit kehrt zu uns in Form von Glasplatten zurück, die übereinander gelegt auf überraschende Weise das Bild modifizieren. Nach diesem Prinzip funktioniert nicht nur das Gedächtnis, sondern auch die Deutung der in jedem Augenblick erfahrenen Wirklichkeit. Wer wären wir ohne unsere Vergangenheit? […]

Auszug aus dem Katalogbeitrag “Backflash” von Monika Kozien-Swica, Kunsthistorikerin und -kritikerin, Kuratorin am Museum der Fotogeschichte, Krakau.