Vebikus Schaffhausen; Ausstellung: Das Spektakel der Gesellschaft: Zürich – Karlsruhe

Vebikus Schaffhausen; Ausstellung: Das Spektakel der Gesellschaft: Zürich – Karlsruhe

Das Spektakel der Gesellschaft: Zürich – Karlsruhe

28.3. – 3.5.2015, Vebikus Kunsthalle Schaffhausen

Vernissage: Freitag, 27.3.2015, 19 Uhr

Mit einer Einführung von Daniela Hardmeier, Kunsthistorikerin

Parallelausstellung:
Federica Gärtner: Niemandes Land

Einladungskarte Vebikus
– Stefan Meier ist an der Vernissage und am Sonntag, 12.4.2015 anwesend
– 12.4.2015, 11 Uhr: Lesung mit Christian Gasser
Im Rahmen der Erzählzeit ohne Grenzen liest Christian Gasser aus seinem Buch „Rakkaus“, einer melancholisch-schrägen finnischen Liebesgeschichte. Im Anschluss offierieren wir einen Apéro und Kurzführungen durch die Ausstellungen von Federica Gärtner und Stefan Meier.
– Am Karfreitag, 3.4.2015 ist die Ausstellung geschlossen


In der Tradition der Flaneure, situationistisch getrieben, hält Stefan Meier in diversen Dokumenten seine hochgradig subjektive Betrachtung des Gegenstands fest: Die städtische Peripherie. In der Einzelausstellung im Vebikus Schaffhausen zeigt er das Konzentrat seiner Feldgänge 2013, welche mit einer Exkursion zu Fuss von seiner Wohnung in Zürich zum Schloss in Karlsruhe gipfelte. Die gewählte Route entspricht der direkten Luftlinie und wurde in zehn Tagen am Stück gegangen. Gezeigt werden: Das Kartenmaterial, die Videos, die Fotografien, sowie die dazu erschienene Publikation.

Seit 2010 unternimmt Stefan Meier Landvermessungen: gekleidet als Wanderer, bepackt mit der Landeskarte 1 : 200 000, dem Kompass und einer vollständigen Camping-Ausrüstung und vor allem einer digitalen Kamera schreitet er in die Landschaft hinaus.
Absolut unbedeutend ist ihm dabei das ‚Naturerlebnis’. Im Gegenteil, er vertritt die Ansicht, das es in unseren Gefilden Natur gar nicht mehr gibt. Alles was wir erfahren können, ist von dem Menschen geschaffener Kulturraum, sprich: Landschaft.

Der Soziologe und Strollologe Lucius Burckhardt fragte: „Warum ist Landschaft schön?“ freilich ohne die Frage zu beantworten. Er gab einzig ein Instrument auf den Weg, womit diese geklärt werden könnte: das Gehen.

Trivial ist der Umstand, das Promenieren oder Wandern sehr langsame Formen der Fortbewegung sind und schon alleine dadurch ergibt sich eine Betrachtung der Welt, die sich grundsätzlich von der aus dem fahrenden Auto unterscheidet. Zusätzlich weisen wissenschaftliche Studien wie Selbsterfahrungen darauf hin, dass sich unser Denke mit dem Gehapparat perfekt synchronisiert hat: Der Appetit kommt beim Essen/die Gedanken beim Gehen.

Als diplomierter Architekt und Fotograf drehen sich Stefan Meiers Gedanken meistens um die baulichen Setzungen, teilweise um die fotografischen Limitierungen, welche seine Kommentare beeinflussen. Die Landschaft, vielleicht das wichtigste der Kulturgüter unserer Gesellschaft, definitiv aber das augenfälligste, ist lesbar und lässt Rückschlüsse auf ihre Urheberschaft zu. Dies verpflichtet zu äusserster Achtsamkeit, auf Ebene der Landesplanung bis hinunter zur Bauherrschaft eines Hauses, oder des Designs eines Jagdhochsitzes. In seinen mit Texten angereicherten Bildberichten hebt er lobenswerte Eingriffe hervor, unbedachtes oder gar törichtes Agieren wird mit launenhaften bis zotigen Kommentaren bedacht. Einzusehen sind diese im Rahmen von nachgeführten Blogs, wie auch in den Ausstellungen zu den einzelnen Jahresprojekten.
Seit dem Beginn seiner Untersuchungen unternimmt er Feldgänge von Arbeitstageslänge vor allem im Umkreis seiner Wohnstadt Zürich. Das Jahr wird abgerundet durch eine jeweils rund 10-tägige Exkursion in angrenzende Kulturräume. 2010 führte diese durch das Allgäu nach München, gefolgt 2011 von einem Gang in die Gegenrichtung, in den französischen Sprachraum nach Lausanne. Folgerichtig wurden 2012 die restlichen Sprachregionen der Schweiz erschlossen, durch das rätoromanische Bündnerland nach Locarno in der italienischen Schweiz. 2013 stand dann unter dem Zeichen des Verbindenden: Zürich im historischen Zürichgau befand sich fast Zentral im alemannischen Siedlungsraum, der Besuch einer Grenze im Norden, Karlsruhe, sollte aufzeigen, wie hoch der Anteil an Ähnlichkeiten sind.
Diese Exkursion wird mit der Ausstellung im Vebikus zur Ansicht gebracht.
Mittels Kartenmaterial, einzelnen fotografischen Ansichten, filmischen Beobachtungen und dem Reisebericht in gedruckter Form bietet sich dem Publikum die Gelegenheit, in die Untersuchung Einblick zu nehmen.

Zur Person:
Stefan Meier (*1975 in Baden) wohnt in Zürich. Nach seinem Studium der Architektur in Brugg/Windisch absolvierte er den Studienbereich Fotografie an der ZHdK und stellt sein Werk seither regelmässig aus. U.a. war sein Werk zweimal an der Stipendienausstellung der Stadt Zürich im Helmhaus zu sehen, wie auch einmal an den Swiss Art Awards in Basel, sowie in diversen Ausstellungen im In- und Ausland, vor allem in Deutschland.

Seit dem Beginn, Dezember 2007 leitet er die Alpineum Produzentengalerie Luzern, einen Ausstellungsraum getragen von den 12 KünstlerInnen des Programms mit acht Wechselausstellungen pro Jahr und durchschnittlich 2 internationalen Messeauftritten.